Typologie des Genus im Sorbischen. Die grammatische Kategorie Genus zwischen Referentenbezug und lexikalischer Verfestigung
Cover Lětopis 72
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Schlagworte

referentenbasiertes Genus
grammatikalisiertes Genus
Typologie
Genus der Lehnwörter
unproduktive Flexionsklassen

Abstract

Typologie des Genus im Sorbischen. Die grammatische Kategorie Genus zwischen Referentenbezug und lexikalischer Verfestigung

Das Genus der personalen Substantive funktioniert im Sorbischen zwischen pragmatisch-situativem Referentenbezug und lexikalischer Fixierung, die ein Indikator der Grammatikalisierung des Genus als obligatorische Kategorie der Substantive ist. In dieser Studie schlagen wir eine Feldstruktur des Genus bei personalen Substantiven vor, die durch zwei Achsen aufgespannt wird: Die funktionale Achse erstreckt sich zwischen den Polen des vollständig lexikalisierten Genus bei äquipollenten Kontrastpaaren und dem pragmatischen, referentenabhängigen Genusgebrauch bei Substantiven des “genus commune”. Die zweite Achse beschreibt den strukturellen Kontrast zwischen Realisierung und Neutralisierung von Genusrelationen. Genuszugehörigkeiten von Substantiven können nämlich aus lexikalischen (Epikoina) oder pragmatischen Gründen (generisches Maskulinum/Femininum) sprachlich unausgedrückt bleiben. Im Sorbischen ist der pragmatisch motivierte Genusgebrauch nur noch relikthaft vorhanden. Wie stark die lexikalische Verfestigung der Genera ist, lässt sich am Beispiel von Lehnwörtern mit unbelebten Denotaten ermessen. Besonders seit der Etablierung vollständiger Bilingualität unter den Sprechern des Sorbischen werden Konflikte zwischen den strukturellen Parametern der Genussysteme in den Kontaktsprachen zugunsten der Vorbildsprache aufgehoben. So erhält die bisher unproduktive und markierte Flexionsklasse der Feminina mit Grundformflexion durch die Aufnahme von Lehnwörtern im Sorbischen neue Produktivität. Dabei kommt es auch zur Ausweitung der Nichtflektierbarkeit von Substantiven.

https://doi.org/10.59195/lp.2025.72-201
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