Abstract
Der Verband der nationalen Minderheiten Deutschlands (1924–1938) und das Wirken Jan Skalas vor dem Hintergrund historischer Erinnerungsnarrative
Nach dem Ersten Weltkrieg erreichten die nationalen Minderheiten im Deutschen Reich einige Zugeständnisse im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Darüber hinaus versuchten die „fremdsprachigen Volksgruppen“ ihre Interessen mittels eigener zivilgesellschaftlicher Organisationen umzusetzen. Als politische Interessenvertretung der autochthonen Minderheiten Deutschlands entfaltete der Verband der nationalen Minderheiten Deutschlands in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren vielfältige Aktivitäten auf nationaler und supranationaler Ebene. Diese Kampagnen sind insbesondere in der Verbandszeitschrift Kulturwille (1925) bzw. Kulturwehr (ab 1926) dokumentiert, deren Chefredakteur der Sorbe Jan Skala war. Im Jahr 1936 musste er seine Funktion als Chefredakteur der Zeitschrift Kulturwehr aufgeben. Ihre letzte Nummer erschien Ende 1938. Auch die letzten Lebensstationen Jan Skalas waren von Verfolgung geprägt. Im Januar 1938 wurde er von der Gestapo verhaftet. Nach der Haftentlassung im Oktober 1938 arbeitete er in verschiedenen Privatunternehmen. Im Februar 1944 flüchtete er aus dem bombardierten Berlin in die Gegend von Namslau (heute Namysłów, Polen), zu Verwandten seiner Frau. Dort kam Jan Skala am 22. Januar 1945 im Alter von 55 Jahren auf tragische Weise ums Leben. In der Oberlausitz und in Polen wurden zu seinen Ehren nach 1945 verschiedene Denkmale errichtet. Die engen Beziehungen zwischen Polen und Sorben im gemeinsamen Gedenken an Jan Skala bestehen bis in die Gegenwart fort.

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